Das National University Hospital (NUH) in Singapur setzt künftig Smartwatches zur kontinuierlichen Überwachung der Vitalparameter stationärer Patientinnen und Patienten ein. Auslöser war ein erfolgreicher Pilotversuch mit postoperativen Patienten, bei dem Veränderungen des Gesundheitszustands bis zu zwei Stunden früher erkannt wurden als durch die üblichen manuellen Kontrolluntersuchungen. Innerhalb der nächsten zwölf Monate soll rund ein Zehntel der geeigneten stationären Patienten mit den Wearables ausgestattet werden.
Die verwendeten Smartwatches erfassen kontinuierlich Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung und übertragen die Daten in Echtzeit an eine Smartphone-Anwendung des Pflegepersonals. Auffällige Messwerte werden weiterhin mit den herkömmlichen Krankenhausgeräten überprüft, bevor medizinische Maßnahmen eingeleitet werden. Die Smartwatches dienen somit als Unterstützung für klinische Entscheidungen und ersetzen nicht die fachliche Beurteilung durch Ärztinnen, Ärzte oder Pflegekräfte.
Der Pilotversuch zeigte mehrere Vorteile. Kritische Veränderungen konnten früher erkannt werden, ohne dass wichtige medizinische Ereignisse übersehen wurden. Gleichzeitig profitierten die Patientinnen und Patienten von einem höheren Komfort, da sie durch die kabellosen Geräte nachts seltener gestört wurden und sich während der Genesung freier bewegen konnten. Dies unterstützt insbesondere die frühzeitige Mobilisierung nach Operationen.
Auch für das Pflegepersonal ergeben sich deutliche Effizienzgewinne. Durch die geplante Integration der Smartwatch-Daten in das elektronische Krankenhausinformationssystem sollen Vitalwertkontrollen weitgehend automatisiert dokumentiert werden. Dadurch könnte sich die Zeit für eine routinemäßige Kontrolle von etwa zwei Minuten auf rund 40 Sekunden pro Patient reduzieren. Die frei werdende Zeit kann für die direkte Betreuung der Patientinnen und Patienten genutzt werden.
Das Krankenhaus betont jedoch, dass Smartwatches vorerst nur bei sorgfältig ausgewählten Patientengruppen eingesetzt werden. Vor einer breiteren Einführung sollen weitere Studien die klinische Sicherheit, Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Technologie bestätigen. Die Initiative ist Teil einer umfassenderen Digitalisierungsstrategie des NUH, die mithilfe von KI- und Wearable-Technologien die Patientensicherheit verbessern, Arbeitsabläufe effizienter gestalten und die Versorgungsqualität langfristig erhöhen soll.
source: healthcareitnews.com
